Volles Haus beim Vortrag zu Flur- und Straßennamen in Jerichow

Alle Stühle waren besetzt, als Gottfried Bauch, Rolf Naumann und Theresia Gebauer Flur- und Straßennamen in und um Jerichow im kleinen Saal bei Lucke vorstellten.

stehend: v.l. Theresia Gebauer, Gottfried Bauchstehend: v.l. Theresia Gebauer, Gottfried Bauch

Den Auftakt bot Gottfried Bauch, der zur Geschichte von Flurnamen generell seine Forschungen und Erkenntnisse für das Schönhausener Gebiet vorstellte. Vieles davon lässt sich jedoch auch auf andere Gebiete übertragen, z.B. die Namensgebung von Flurstücken auf Grund ihrer Nutzung wie „Haferbreite“, „Ziegelbreite“ oder „Gänseschlag“. Anderen Flurstücken wiederum gaben die jeweiligen Bearbeiter, Eigentümer oder Nutzer ihre Namen. So sind in Jerichow z.B. Hirtenwiese, Küsterland, Hamannsbreite oder Schneiderbreite zu finden. Einige Namen wurzeln in slawischen, niederdeutschen oder sächsischen Sprachen. Laake, Märsche, Mathen oder Elsen zeugen von dieser Herkunft. Rolf Naumann erläuterte anhand von Karten um 1700 und aus heutiger Zeit die Entwicklung der Stadt und des Elbverlaufes seit dem verheerenden Hochwasser von 1336. Anschaulich ließen sich dabei das Alte Dorf, die Altstadt, die Neustadt, die Domäne und der Kietz erläutern. Vermutlich auch aus dem Slawischen stammt der Begriff Kietz, der über „chyza“ ursprünglich auf eine Fischerhütte hinweist. Andere Deutungen leiten den Kitz vom germanischen Wort „Kitzen“ für kleine Wohnung ab. Oftmals lässt sich eine eindeutige Ableitung nicht finden. So bleibt auch weiterhin ungeklärt, warum die fünfstämmige Kiefer ein „Kuckucksstuhl“ gewesen sein soll. Der „Kuckuck“ kann auch verhüllend für den „Teufel“ stehen, also eine „verlorene“ Seele sein, aber das erklärt noch nicht, warum gerade dieser Begriff für das 1944 abgeholzte Naturdenkmal gefunden wurde. Von einigen Besuchern wurde die Sage des unglückbringenden Baumes erinnert – darin brachte der Baum auch Unglück. Zum Schluss verwies Theresia Gebauer auf die Fortschreibung einer Fülle von Namen durch die Jahrhunderte, vom Amtserbbuch aus den 1650er Jahren angefangen, über die Königlich-preußischen Landesaufnahmen aus den 1880er Jahren bis zu Jerichower Domänenkarten aus den 1980er Jahren. Werden die Flurnamen zukünftig verdrängt durch die Verortung in heutiger Zeit über GPS-Koordinaten in der Arbeitswelt-Kommunikation? Ein äußerst interessanter Abend ging mit Erläuterungen und Erinnerungen von Gästen zu Ende. Beim Hinausgehen wurde noch eifrig über den ausgehängten Karten der ehemaligen LPG Pflanzenproduktion diskutiert.